Auf Wiedersehen, Indien!

Ich war am Ende. Am Ende meiner Zeit in Indien und beinahe am Ende meiner Nerven. Chan mich bitte öpper ine mucksmüüslistilli Isolationszelle beame?! Indien ist mit kilometerweitem Abstand das anstrengendste Land, das ich je besucht habe. Immer auf der Hut sein. Flexibel bleiben, denn auf Nichts ist Verlass. Pausenlos steht man unter Beobachtung. Diese unglaubliche Aufmerksamkeit kann man sich gar nicht vorstellen. Fotos hier, Selfies da. Jeder will ein Bild mit dir oder drückt dir gleich das Baby in die Hand. Ich beniide würkli kein Promi. Und dann wurde ich auch noch krank. Dehli-Belly. Läuft bei mir. Wortwörtlich. Aus allen Himmelsrichtungen. 

Indien fordert dich täglich. Aber auf jedes Tief, folgt ein Hoch. Früehner oder spöter. Hoch’s gab es einige: Sei es, als uns eine Ärztefamilie in Delhi zum grossen Sonntagsmahl einlud. In indischer Manier natürlich inklusive ganzer Sippschaft und dem verrückten Quotenonkel, der eine Räubergeschichte nach der anderen auf Lager hatteOder als in Jaipur ein ganz gefitzter TukTuk-Fahrer absichtlich den Verkehr blockierte, damit ich endlich (und ohne Nahtoderfahrung) über die Strasse hechten konnte. Wie herzig isch das dänn! In Rajasthan lud uns das Dorfoberhaupt gar spontan zu einer Hochzeit der „Krieger”-Kaste ein, was mit jeder Menge Schnäpsle und einem geschenkten Turban auf dem Kopf unseres Kollegen endete. 

So richtig auf Tuchfühlung ging’s aber in den Nachtzügen. Eines meiner allerliebsten Erlebnisse. Man beachte, dass wir mit Hinz und Kunz in der allerbilligsten Reiseklasse unterwegs waren. Unsere Rucksäcke verwandelten sich in ein mit Sicherheit ziemlich bequemes Bett für eine Mami und ihren Sohn. Garantiert bequemer als euse Brätterverschlag. Kinder und Erwachsene quetschten sich zu uns, von Berührungsängsten keine Spur. Von Schlaf genauso wenig. Wir tranken Chai-Tee mit den Familien, sangen Lieder mit einer lustigen Studentengruppe und kriegten von allen Seiten viel zu süsse Gebäcke geschenkt. Zu Spitzenzeiten horteten wir mindestens 15 Personen auf 6qm auf drei Etagen. Sharing is caring. In jeder Hinsicht. 

Rückblickend ist Indien das eindrücklichste und abgefahrenste Land meiner kompletten Reisehistorie. Doch kein Steinhaufen, kein Lassi und keine bemalten Elefanten hätten mir die indische Kultur und Gesellschaft jemals näherbringen können, als die Menschen höchstpersönlich. Unzählige Leute aus den unterschiedlichsten Schichten, die offen und neugierig genug waren, uns anzusprechen und sich auszutauschen. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Ich will unbedingt zurückkehren, andere Städte und die Bergregionen bereisen, mehr über den Hinduismus lernen, mich in eine unmögliche Yoga-Asana falten lassen, fleissig mit dem Kopf wackeln, meditieren bis mir der Hintern schmerzt und Paneer Tikka Masala mit Garlic Naan essen, bis es mir zum Hals raushängt. Namaste India. 

Zwei Freunde auf dem Heimweg: Der Austausch mit der Lokalbevölkerung Indiens ist erstaunlich leicht, da erstaunlich viele sehr gutes Englisch sprechen. Vor allem die Jugendlichen und Kinder lassen sich keine Chance entgehen, ein paar Worte mit den Touristen zu wechseln und wie wild zu kichern.

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