Mingalaba Myanmar

Neues Land, neue Währung, neue Sprache. Der erste Tag in Myanmar steht unter dem Motto „Umgewöhnen“. Den Wechselkurs des Kyat in Kopf behalten und Höflichkeiten einprägen. Einige Brocken Burmesisch sind Pflicht. Grüezi, Hallo? Min-ga-la-ba! Cezu tin ba deh für Dankeschön. Ausgesprochen: Tsche-su-ba. Mol, das sött klappe. Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt: Warum Burmesisch, wenn sie doch in Myanmar ist? Genau, Myanmar. Alias Burma, alias Birma. Hä?! Myanmar hiess bis vor knapp 30 Jahren noch Birma, im Englischen Burma. Dann erzwang das Militärregime den Namenswechsel. Offiziell wäre es Myanmar, bis heute sind aber beide Bezeichnungen gängig. Vor allem wer ein Statement gegen die Unterdrückung setzen will, nennt es Burma. Aber etz fertig mit de Gschichtslektion.

Ich bin fürs Erkunden gerüstet und trete hinaus in die wuselige Stadt Yangon. Es erschlagen mich satte 39 Grad und beinahe ein unbekanntes Flugobjekt. What the hell? Jungs hechten dem geflochtenen Ball hinterher, kicken ihn tänzelnd durch die Luft. Ein Bein hier, ein Bein da. Sieht eher aus wie Kampfsport. Oder Ballett. Heissen tuts Chinlone: Ein uralter Volkssport in Myanmar. Noch viel beeindruckender scheint mir aber, dass der hochgekrempelte Longyi (traditioneller Wickelrock) trotz den Sprüngen an Ort und Stelle bleibt. Später lernte ich: Drunter trägt man(n) zusätzlich Shorts und manchmal sogar Unterwäsche. Sicher ist sicher. Auch die Frau trägt den Wickelrock mit Stil. Doch noch viel cooler finde ich ja das Thanaka. Aus Baumrinde und Wasser wird eine Paste hergestellt, die man sich ins Gesicht schmiert. Kreisli und Viereggli auf den Wangen oder gleich komplett flächendeckend. Warum? Weils hübsch aussieht und als Schutz vor der Sonne funktioniert. Aber auch zum Kühlen, gegen Hautalterung und gar zur Hautaufhellung. Selbstverständlich klatsche ich mir die Paste auch ins Gesicht. Sieht mit meinem nordischen Teint leider weniger ästhetisch aus. 

Den Longyi um die Hüften geschlungen, mache ich mich auf den Weg zur Shwedagon-Pagode. Dem Must-See in Yangon schlechthin. In Gold gehüllt thront der wichtigste Sakralbau Myanmars über der Stadt. Von Understatement keine Spur. Es isch würkli alles gold, was glänzt. Die Sonne reflektiert mir aus jeder Richtung nur so ins Gesicht rein. Mal kurz die Sonnenbrille runtermachen? Keine Option. Stattdessen suche ich mir ein schattiges Eckli, hocke mich zwischen die Menschen. Augen zu und den Gesängen lauschen. Oommmm. Endlich etwas Ruhe. Aber mir ist das immer noch nicht genug. Ich will die ultimative Stille. Logischerweise kann mir das eine Stadt mit über 10 Millionen Bewohnern auch nicht liefern. Ich sehne mich nach der Natur. Fernab von 4G und WLAN. Will nur noch meinen eigenen Atem hören. Oder miinetwäge echli Vogelgezwitscher. Spontan buche ich einen Platz im Nachtbus nach Kalaw, wo meine Wünsche hoffentlich in Erfüllung gehen werden. 

Früh übt sich: Eine junge burmesische Mutter im traditionellen Longyi besucht mit ihren Kindern einen buddhistischen Tempel. Die Wangen haben sie allesamt mit Thanaka bemalt.

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