Über Stock und Stein

Zwanzig Kilometer pro Tag, drei Tage am Stück. So sieht er aus, mein Ruhefindungs-Trekkingtripvon Kalaw zum Inle-See. Und das bi gnadelosä 30 Grad plus. Wenig idyllisch hechle ich unserem Guide im Stechschritt hinterher. Stundenlang ziehen wir vorbei an (noch) trockenen Feldern, doch langweilig wird es nie. Wahnsinn, wie fruchtbar die Region ist! Bohnen, Chilis, Reis und Sonnenblumen – es wächst einfach alles. Frauen und Männer arbeiten knochenhart, von Traktoren und Maschinen keine Spur. Was der Mensch nicht schafft, macht der Ochse. Einige Männer zeigen uns, wie sie Bambuskörbe flechten. Dann passieren wir eine kleine, simple Zuckerrohr-„Fabrik“, geführt von einer Frau. Von wegen traditioneller Rollenverteilung! 

Die Bauern gehören meist zum Volk der Pa-O. Die auffälligen Turbane der Frauen zieren die Felder wie viele kleine Farbtupfer. Doch sie haben durchaus ihren Zweck: Nebst Schutz vor Sonne und hartnäckigem Sandgibt die Farbe Auskunft über den Beziehungsstatus der Trägerin. Öppe wie sMäscheli bim Dirndl. Wir dürfen in ihren Bambushäusern übernachten, wobei das Thermometer nachts auf etwa 15 Grad fällt. Manch einer schläft mit Strickmütze und Handschuhen, ich feiere die heimischen Temperaturen. Ändli kei Schweissusbrüch! Nur die eiskalte Dusche passt gar nicht ins Konzept. Obwohl „Duschi“ scho en rächte Euphemismus isch. Ohne Strom und fliessend Wasser bleibt mir einzig ein Brunnen mit Kübeli. Wie die sich so sauber kriegen, ist mir ein Rätsel. Ich sehe langsam aus, als hätte ich einen folgenschweren Selbstbräunerunfall gehabt, so tief hat sich der orange Sand in meine Haut eingenistet. Haare waschen? Ich scheitere kläglich. Dörfi bitte au son Turban ha?! 

Am Inle-See muessi zerst e Rundi d’Füess hochlagerä. Und heiss duschen. Eine Masseurin biegt mich noch zurecht, bevors gleich weiter auf’s Boot geht. Das Volk der Intha lebt nämlich auf dem Wasser. Auf Stelzen stehen Häuser und Handwerksbetriebe, wo man Silber schmiedet und Seide aus Lotusblüten spinnt. Das Fotosujet der Begierde sind aber die fischenden Einbeinruderer (Details siehe Foto). Doch der Schein trügt: Vieles zielt nur noch auf spendable Touristen ab. Die Authentizität der Region büsst ein oder muss gar neuen Resorts weichen. Immer wieder stelle ich mir die Frage, in welchen Massen der Tourismus hilft und wann es kippt? Doch mit Kleinigkeiten lässt sich Grosses bewirken: Übernachten im familiären Homestay oder essen, wo die Locals essen. Vor allem bei gehypten Destinationen lohnt es sich, ausgiebiger zu recherchieren. So kommt der Tourismus den Locals zugute und nicht nur den internationalen Investoren. Auch ich habe aufgrund der extremen Popularität der Trekkingtour bewusst eine kleine, teurere Agentur gewählt, die lokale Bauern unterstützt. Im Gegenzug durften wir eine Strecke abseits vom Touristenpfad gehen. Und es isch sowas vo mucksmüüslistill gsi. 

Was für ein Balanceakt: Um zu fischen, klemmen sich die Fischer das Ruder unter das eine Bein, mit dem Anderen balancieren sie auf der Nase des Bootes. So haben sie die Hände frei, um den Korb auszuwerfen. Dieser Fischer befindet sich aber schon auf dem Heimweg. Ob er was gefangen hat? 

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