Mehr als nur ein bisschen Wandern

Ausgerüstet mit dem überlebensnotwendigen Minimum gehts ab in den Dschungel. Auf dem Programm stehen drei Tage, zig Höhenmeter und mindestens 45 Mückenstiche. Der Guide erkämpft uns mit dem Säbel einen Weg durchs Dickicht. Was für en Indiana Jones-Momänt. Es geht wacker bergauf. Ein bärtiger Holländer macht seinem Ruf als Flachländer alle Ehre: Beinahe benötigt er ein Sauerstoffgerät. Scherz. Der Hans, Typ „lustiger Vater 55+“, ist einer meiner liebsten Mitwanderer. Etappenziel ist eine ganz idyllische, selbstgebaute Bambushütte. Knorzige Angelegenheit. Aber diese Aussicht! Duschen und Strom hingegen sind Fehlalarm. Guet gits fascht nüt, wo es Füächttüechli nöd regle chan. Am zweiten Tag gehts so steil runter, dass diverse Mitwanderer ausrutschen und Baumstämme touchieren. Holland-Hans ganz klar Tabellenführender auf der Sturzskala. Aber der trockene, staubige Waldboden ist wirklich ein Fluch.

Umso mehr steigt die Vorfreude auf das nächste Nachtlager: Man verspricht uns einen Fluss! Oder ischs ächt nur es seichts Bächli? Besser mal ruhig Blut bewahren. Hauptsache Wasser. Tatsächlich hüpfe ich Stunden später ins tiefblaue Nass. Mit Anlauf. Abends folgen klassische Lagerfeuerromantik und ein Schlafplätzli in der Hängematte. Das war bis heute die mit Abstand allerkälteste meiner durchgefrorenen Nächte überhaupt. Mumifiziert in Wolldecke und Schlafsack schlottere ich mich in den Schlaf. Aber die Geräusche des Dschungels und der ungefilterte Blick auf den Sternenhimmel sind das allemal Wert. Am letzten Tag folgt das grosse Chillen. In Pneu-Schlauch-Dingern treiben wir stundenlang den Fluss hinunter. Ab und zu sorgen Strömungen für einen Adrenalinkick. Eisvögel fliegen an uns vorbei und Affen turnen in den Bäumen. Einheimische gesellen sich zu uns und verkaufen uns schwimmend Bier. Gahts no gmüetlicher?

Aber Myanmar wäre nicht Myanmar, gäbe es nicht noch was zum Nachdenken. Offenbar will die Regierung etwas flussaufwärts einen weiteren Staudamm bauen. An der Zufahrt wird bereits gearbeitet. Alles ohne Zustimmung der Lokalbevölkerung. Denn für die Bauern, die Natur und den Tourismus hätte der Staudamm unschöne Folgen. Das, obwohl Myanmar schon so viel Strom aus Wasserkraft erzeugt, dass gar nach China exportiert wird. Geld regiert die Welt, selbst im burmesischen Dschungel. Oder erst recht dort? In der Region werden nämlich auch grosse Mengen Schlafmohn angebaut. Dieser wird illegal zu Opium und gar zu Heroin weiterverarbeitet und ebenfalls fleissigst exportiert.

Hier geht’s ans Eingemachte: Nein, die Dame köchelt keinen Schlafmohn, sondern Zuckerrohr. Alles ganz legal.

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