Auf und ab im Himalaya

Nepal ohne Trekking? Unmöglich! Klar hab auch ich das Rucksäckli gepackt und die Wanderschuhe geschnürt. Mit Nemos „I bi uf em Himalaya gsi“ im Ohr gehts vorbei an wilden Flüssen, dichten Wäldern und kleinen Bergdörfli. Ab und zu so steil den Hang hinauf, dass ich mich auf allen Vieren hochziehen muss. Vowäge „Berge si zum erklimme da“. Geschlafen wird in Berggasthäusern mit simplen Zweibettzimmern und Gemeinschaftsbad. Z’Morge und z’Nacht sind inklusive, dafür wird bei der Isolation gespart. Gut, gibts einen wärmenden Ofen im Wohnzimmer. Perfekt, um den Nasenspitz, die Zehen und Finger wieder aufzutauen. Kommt mir eh grad gelegen, ich muss nämlich eine kleine Notoperation an meinem Zeh starten. Oh du lieber Blasenmutant. Wildes Rumstochern und Aufstechen später sieht das Ganze schon etwas besser aus. Ob der Nagel überlebt oder als Opfergabe an die Götter geht?

Doch damit es bloss nicht zu gemütlich wird, wird halbwegs draussen geduscht. Der Wind bläst durch ein Loch in der Wand und die Nachbarskuh spannert höflich rein. Abr hey, für heissäs Wasser machi alles. Diesen Luxus hab ich hier oben nämlich nicht erwartet. Erst recht nicht, wenn man sieht, wie die Bauern hier leben und arbeiten. Jeden Tag und bei jeder Witterung. Davor hab ich echt allergrössten Respekt. Sie und die Sherpas tragen abartige Mengen den Berg hoch: Essen, Kleidung, Baumaterial. Wie? Sie satteln riesige Körbe auf den Rücken und befestigen die Last mit einem Gurt am Kopf. Sowas hani vorher au nonie gseh. Überhaupt hab ich mich oft gefragt, wie verwerflich das Engagieren der Sherpas ist. Während den langen Touren schleppen sie für die Touristen teils den halben Hausrat rauf und runter. Einkommen hin oder her, der Körper leidet irgendwann. Gibts wirklich keine bessere Lösung? Ich bin jedenfalls froh, kann ich meine sieben Sachen für die paar Tage selbst tragen.

Sonst erinnert mich die Natur oft an die Schweiz. Wäre da nicht der kleine, feine Höhenunterschied. In Sachen Panorama gestaltet es sich nämlich echli schwierig, wenn einem überall die 7000er die Weitsicht versperren. Abr de Nemo triffts au do: „Bis zu däm Gipfel ischs wiit“. Stattdessen hüpfe ich am letzten Tag in einen Bus, der mich vom winzigen Bergdorf runter ins Tal bringen soll. Und bereue es subito. Der uralte Bus fliegt nur so über die Schotterpiste. Neben mir gehts knapp 800m gerade runter. D’Rädli immär haarscharf am Abgrund. Von Sicherheitsschranken keine Spur. Adieu Heimatgefühle! Oder öppe gad Adieu Läbe? Eieiei. Bin kreidebleich und dezent gestresst. Mein Sitznachbar meint halbwegs mitleidig: „Mach dir keine Sorgen, manchmal schliefern wir sogar und es passiert nichts.“ Wiä bitte?! Oh mann… Dann trällerts in meinem Ohr „Irgendwo uf der Ärde faht der Himmel aa“ und ich realisiere etwas entspannter und überglücklich, dass ich diesem magischen Ort hier ziemlich nah gekommen bin.

Es bleibt abenteuerlich: Nach mehreren Tagen in den idyllischen Himalayas sorgen rasante Busfahrten dafür, dass der Wander-Puls in der Höhe bleibt.

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