Bob Marley, Steinzeitmenschen und tödliche Drachen

Wir sind immer noch auf dem ach-so-langweiligen Flores. In einem kleinen Kaff in den Bergen bezweifle ich das kurz. Bob Marleys Portrait klebt an jeder Wand. Bands spielen Reagge und fast jeder Typ hat Rastas. Alles ist Rot, Gelb, Grün. Bini uf Jamaika oder was? Nein, viel zu kalt hier. Nachts kühlts auf 14 Grad runter. Ich verfluche die eisige Outdoor-Dusche, obwohl mir die Milchstrasse mitten ins Gesicht reinscheint. Oben auf dem Kelimutu Vulkan leuchten die drei Kraterseen in verschiedenen Farben: Schwarz, Rot und Blau. Aber nicht immer! Das Farbspiel ist wechselhaft. Man glaubt, dass die Laune der Götter da mitmischt. Andere sagen, es eine Reaktion des Mineraliengehalts. Wie au immär. Beim Runterwandern fehlt es weder an Reisfeldern, an Kirchen und Kreuzen noch an der atemberaubenden Aussicht.

Dann erforschen wir die Spuren des Homo Florensiensis. Der Gute wird überall als Hobbit bezeichnet, ist nämlich er nämlich nicht mal einen Meter gross. Dann kursieren aber Gerüchte, dass es sich womöglich um einen Homo Sapiens mit Kleinwuchs handelt. Wiä au immär. Mit dem Roller besuchen wir abgelegene Bergdörfer. Einmal könnt ihr raten, wie es durch die Büsche tönt. „Bule, Bule!“. Als zweiter Klassiker entpuppt sich „Hello Mister!“. Dass ich offenbar kein Mister bin, interessiert keinen. Nimmäs au gar nöd persönlich. Vor allem die Jungmannschaft spricht wahnsinnig gut Englisch und möchte sich austauschen. Beim Warten am Rotlicht erzählt man uns locker kurz alles übers Studium, die Frau und Kinder.

Unumstrittenes Highlight und Touristenmagnet auf Flores ist aber der Komodo Nationalpark. Paradiesische Inseln und eine Unterwasserwelt, wie man sie nur selten zu Augen bekommt. Es lohnt sich, in einen mehrtägigen Bootsausflug zu investieren. Es lohnt sich aber auch, das Boot des Anbieters ganz genau anzuschauen. Vier Tage in einer rostigen Nussschale auf dem offenen Meer ist nicht jedermanns Sache. Mini erst rächt nöd. Aller Übelkeitsparanoia zu trotz kann ich mir das nicht entgehen lassen. Schlussendlich schlafen wir an Deck eines kleinen Böötlis unter dem Sternenhimmel. Morgens weckt mich ein lila Sonnenaufgang auf glasigem Wasser. Klingt jetzt auf doch etwas romantischer als es ist, so liege ich nämlich auf einem 1cm Mätteli, dicht zwischen meine Mitreisenden gequetscht. Öppe 15 Persone uf 10qm. Gfrohre hät da keinä. Trotzdem ist es fantastisch: Weisse Sandstrände, türkisfarbenes Wasser. Saftig grüne und daneben staubig trockene, hügelige Inselchen. Die Tierwelt lässt selbstverständlich auch keine Wünsche offen: Komodo Warane (Drachen!), die dich mit ihrem giftigen Spuder töten könnten. Manta Rochen, mit denen wir in faszinierendster Stille schnorcheln. Delfine, die komplett unerwartet neben unserem Boot auftauchen. Ein Riffhai, Nemos, irgendwelche Seegurken und unzählige Fischschwärme. Schnorchlä, bis eim Flossä wachset.

Unter Touristen kein Geheimnis: Die Insel Padar ist eines der bekanntesten Fotosujets des Komodo Nationalparks. Ganz klar nicht umsonst! Schafft man es trotz
der brütenden Sonne den schmalen, steilen Pfad hoch, wird man von einer fantastischen Aussicht belohnt.

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