Caramel? Nein, Dulce de Leche!

Was man über Uruguay so wissen muss? Einiges! So gehört das Fussballstadion in Montevideo ganz klar zum Nationalstolz. Dort fand nämlich anno 1930 die allererste Weltmeisterschaft statt. Und wer gewann die WM? Uruguay! Da schlägt manch ein Fussballerherz höher. Ebenfalls für erhöhten Puls sorgend: Der Maté. Das Maté-Trinken scheint hier Volkssport Nummer Zwei zu sein. Der Tee selbst ist affenstark und oberbitter. Nichts für schwache Nerven! Das Matein (ähnlich wie Koffein) kann sogar Angstzustände oder Schlaflosigkeit auslösen. Ich hab zweimal probiert. Beim ersten Mal fast rausgespudert, beim zweiten Anlauf ists schon wesentlich trinkbarer. Aber ja, nüt für jedä Tag.

Richtiges Suchtpotential hingegen entdecke ich bei Dulce de Leche. Die Süssigkeit darf man sich auf keinen Fall entgehenlassen. Gut, steckt das zuckrige, geschmolzene, milchige Etwas gefühlt in jedem Dessert, bevorzugt aber im Alfajore: einem macaron-artigen Gebäck aus Maizena. Manch einer denkt vielleicht: „Schmeckt ja wie Caramel!?“ Uiii, sagt das bloss zu keinem Uruguayer! Das ghöret die do nämlich gar nöd gern. Fun Fact: Bei Dulce de Leche sowie Maté herrscht eine eingefleischte Rivalität mit den Argentiniern. Denn die haben ihren eigenen Maté und ihr eigenes Dulce de Leche. Wessen Erfindung es war und welches nun besser schmeckt? Da scheiden sich die Geister.

Weiter gehts auf der Wissenstour. Geschichtlich relevant und stets schockierend: Die spanischen Kolonialisten waren hier. Sprich: Spuren von den Ureinwohnern gibt es leider praktisch keine mehr, sie wurden regelrecht eliminiert. Wer aber aufmerksam durchs küstennahe Hinterland fährt, entdeckt auf den endlosen Weiden immer mal wieder vereinzelte Palmen. Im Volksmund erzählt man, dass die Ureinwohner auf der Flucht Palmensamen knabberten und wegwarfen. Die Palmen bilden somit eine Fluchtroute. Obs stimmt? Wer weiss!

Zweiter Fun Fact: Uruguay wurde während fünf Jahren von José Mujica regiert. Einem Herr, der zuvor über 10 Jahre im Gefängnis verbrachte und dabei gar zweimal ausgebrochen ist. Verurteilt wurde er aufgrund seiner Aktivität für die kommunistische Guerillabewegung der Tupamaros. Als Präsident setzte er sich aber für das Wohlergehen der Uruguayer ein. Der Mensch und die Gemeinschaft zählen. Zudem legalisierte er gleichgeschlechtliche Ehen oder, wenig überraschend, Cannabis. Besonders cool: 90% von seinem Präsidentengehalt spendete er an NGOs und bis heute lebt er auf einem bescheidenen Bauernhof. Ä umstritteni, aber definitiv spannendi Persönlichkeit!

Überhaupt gefällt mir die Art der Uruguayer. Noch selten habe ich als Reisende so viel ehrliche Neugier erlebt und einen so kritischen Austausch genossen. Ich komme definitiv zurück, um noch mehr über dieses quirlige, kleine Land zu lernen. Bevorzugt bei selbstgebrautem Bier und Fainá im Mercado Ferrando, dem Treffpunkt der Jugend Montevideos.

Der Palacio Salvo in Montevideo: Einst als Hotel geplant, wurden die Quadratmeter später willkürlich an Privatpersonen und (auch zwielichtige) Unternehmen verkauft. Heute ist das gothische Gebäude teils in hervorragendem, teils in erschütterndem aber garantiert in vielseitigem Zustand.

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