Die Insel der Götter

Spätestens seit „Eat Pray Love“ ist gefühlt jeder auf Bali. Die Insel boomt. Von Frischvermählten, barfüssigen Surfer, dauerbetrunkenen Australiern, über Yogis, die die Untiefen ihres spirituellen Daseins entdecken wollen. Es isch eifach jede do. Auf den ersten und zweiten Blick hat Bali unter diesem Hype ganz schön gelitten. Verkehrsverstopfung, Luftverschmutzung und Abfallberge sind traurige Realität. Gepaart mit Horrorgeschichten zu Bettwanzen und Dauerdurchfall (Bali Belly) könnte man meinen, die Insel habe jeglichen Charme verloren. Doch dem ist nicht so. Hat man sich hier mal eingenistet, kann man die balinesische Kultur nicht mehr übersehen. Sie steckt in jedem Detail. Von den warmherzigen Menschen ganz zu schweigen.

Bei mir beginnts schon am Flughafen. Ich versuche mein Zweimonatsvisum zu bezahlen und stehe vor sechs Geldautomaten – alle ausser Betrieb. Warum? Gestern war Nyepi, der heiligste hinduistische Feiertag auf Bali. Erst werden böse Geister bei einem Umzug mit Ogoh-Ogoh Puppen eingeladen. Dann verbrennt man die Puppen und vertreibt so die Geister. Chunnt eim vo dä Fasnacht her bekannt vor, gäll. Doch an Nyepi selbst herrscht absolute Stille. Kein Strom, kein 4G Signal und nicht mal Flugverkehr! Die Strassen sind leer, Menschen und Roller müssen zuhause bleiben. Die Geister sollen vorbeiziehen, ohne zu merken, dass hier noch einer lebt. Am Tag nach Nyepi erwacht die Insel langsam wieder zum Leben. Nur die Geldautomaten brauchen da länger. Ohne Moos nix los? Gar nöd! Ich quatsche dezent verzweifelt mit dem Immigrations-Heini. Wir (er!) lachen über meine schlechte Vorbereitung, me hett ja chönne Bargeld mitneh. Doch dann klebt der Stempel auf wundersame Weise plötzlich in meinem Pass.

Später erlebe ich das Galungan-Kuningan Fest. Man feiert den Sieg von Dharma über Adharma. Es folgt Perang Pandan, ein Kampfritual mit Pandanblättern zu Ehren Indras. Und so wiiter und so fort. Ich han langsam selber es Durenand mit all dene Events und Götter. Ihr seht, die Balinesen leben ihre Traditionen trotz dem Tourismus weiter. Sie haben sogar nach wie vor Priorität! So werden Strassen tagein, tagaus für allerlei Prozessionen gesperrt. Egal, öb e wild hupendi Rollerkarawane stundelang im Stau staht. An jeder Ecke hats kleine Tempel. Überall liegen aus Palmblättern gefaltete Körbchen mit Gaben für die Götter: Blüemli, Guetzli, mal e Zigi oder echli Sojasauce. Vor allem wenn ich in den Morgenstunden mit dem Roller zum Surfen düse, grüssen mich zahlreiche Frühaufsteher. Sie reinigen ihren Vorplatz, legen Gaben bereit, beten und zünden Räucherstäbli an. Gepaart mit dem goldenen Licht über den Reisfeldern ist das Magie pur. Ich verstehe jetzt, wieso man Bali die „Insel der Götter“ nennt. Und nicht selten finde ich nach der Surfsession ein paar Reiskörner auf dem Rollersitz. Gesegnet sei der Roller und hoffentlich mein Fahrstil.

An Figuren und Drachen wird nicht gespart: Tempel hier, Tempel da. Wer achtsam durch die Strassen geht, entdeckt die kleinen und grossen Kreationen an jeder Ecke.

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