Ganz schön salzig hier

Das wohl berühmteste Highlight auf der Durchreise von Chile nach Bolivien ist die Salar de Uyuni. Sie wird mal als Salzsee, dann als Salzpfanne, als Salzwüste oder gar als Salzdepot beschrieben. Der Begriff Depot scheint nahegelegen, da hier in der Tat mehrere Milliarden Tonnen Salz rumliegen. Schneeweiss (oder salzweiss?) blendet’s bis zum Horizont.

Wir übernachten im nahegelegenen Salzhotel. Geschlafen wird auf Salzbetten. Ob mit Salzwasser geduscht wird? Nein. Aber beim Znacht fordern uns ein paar Jungs heraus, den Tisch abzulecken. Wie bitte?! „Ja, kän Witz, probierät mal!“ „Sicher nöd!“ Eine gute Flasche Wein später lecken wir tatsächlich am Tisch und siehe da: Auch der ist aus Salz! Kein Kommentar. Vor dem Zubettgehen gibt unser Guide dann die Anweisung: Bringt morgen Flipflops mit! Ehm okay, Temperaturen für Flipflops herrschen hier keine. Im Gegenteil: Es ist immer noch eiskalt. Und nach wie vor macht uns die Höhe zu schaffen. Die Luft ist so trocken, dass mir beim Lachen ständig die Lippen aufreissen. Da hilft auch das fleissige Cremen wenig. Beim Zähneputzen stäubt es nur so. Autsch.

Am nächsten Morgen gehts dann in aller Frühe los, um den Sonnenaufgang über Uyuni zu betrachten. Das Szenario ist besonders spektakulär, weil ein Teil des Salzsees unter Wasser ist. Das eiskalte Nass reicht bis knapp über den Knöchel und sorgt für sensationelle Spiegelungen. Jetzt wissen wir auch, weshalb wir in Flipflops munitioniert dastehen. Die Trekkingschuhe in der Salzlösung zu baden, wäre nicht so ideal gewesen. Nur hat keiner erwähnt, wie eisig dieses Wässerli hier ist. Es lebe der Gefrierpunkt von Salzwasser. No nie i mim ganze Läbe hani so en Chüänägeler gha! Zurück im Auto müssen die Füsse zuerst wie verrückt wiederbelebt werden. Nach einer halben Stunde fliesst das Blut endlich wieder normal. Und die Schuhe? Diese erstarrten in einer getrockneten, millimeterdicken Salzkruste. He nei, was für e Aktion! Eine kleine Überraschung gibts dann doch noch: Eine Kaktusinsel in der Mitte der Salzwüste. In diesem salzigen Umfeld kommen ja sonst – logischerweise – fast keine Lebewesen vor. Aber auf der Isla Incahuasi florieren die riesigen Kakteen wie wild. Wie das alles dahin kam? Es handelt sich bei dem Gestein um die Überbleibsel eines über 40’000 Jahre alten Vulkans.

Das Städtchen Uyuni selbst ist wiederum ein trauriger Fleck. Lieblos, mit viele unfertigen Gebäuden wiederspiegelt der Ort eine harte Realtät: Der Boden ist zum Anbau von Lebensmittel nicht geeignet, Wasser bleibt ein rares Gut und die Witterungen sind gnadenlos. Wie ein Mahnmal erinnert ein rostiger Eisenbahnfriedhof daran, wie hier vor hundert Jahren Edelmetalle an die chilenische Küste chauffiert wurden. Florierende Wirtschaft oder Ausbeutung? Ein Thema, das hier leider bis heute noch genauso aktuell ist und mich in Bolivien weiterhin beschäftigen wird.

Unreal: Zuerst absolute Dunkelheit, ein klarer Sternenhimmel und dann, mit der aufsteigenden Sonne, verwandelt sich alles ein Gemälde aus Pastellfarben.

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