Ganz schön was los in Ushuaia

Entlang der Touri-Promenade Ushuaias wird um die Wette geworben: Hier Ausflüge zu Pinguinen, da zu Walen, dort zu Lagunen und natürlich gehts bis zur Antarktis. Aber CHF 6’000.- für ein Last Second-Schnäppli? Und die Ökobilanz eines solchen Tankers? Ehm, nope, no gracias. Viellicht, wenns denn i 20 Jahr e ökologischi Alternative git. Bis dahin sollten wir aber besser alle schauen, dass uns die Antarktis nicht davonschmilzt. Dies noch als Wort zum Freitag, ist heute ja wiedermal #Fridaysforfuture.

Was ich in Ushuaia ja richtig cool finde, ist das berühmte „End of the World“-Schild. Natürlich nicht des Schildes wegen, sondern der Menschen wegen. Hier versammeln sich nämlich alle möglichen Gestalten, um das Beweisfoto zu schiessen: Ich war hier! Made it! So auch zwei junge Franzosen, die mit dem Fahrrad von Nordamerika bis hier radelten. Auf ihrer Reise haben sie Spenden für eine Charity gesammelt. Was für eine Aktion, was für ein Moment – ich hab Gänsehaut! Verlässt man dann das geschäftige Städtli, findet man sich zackig im wilden Nationalpark wieder. Am Ufer des Beagle Channels vertreten wir uns stundenlang die Füsse. Hier ein Biberdamm, da ein Pinguin. Oder ists doch nur ein Vogel? Uii und isch das en Wal?! Schad, hani ken Fäldstächer debi!

Und wettertechnisch so? Herausfordernd! Mal regnets, mal hagelts, mal scheint die Sonne und dann schneits wieder. Nachts ist es wirklich so saukalt, dass wir morgens die Scheibe kratzen müssen. Aber nicht von Aussen, sondern von Innen. Jap. Das Kondenswasser ist mehrfach gefroren. Und ich so? Hab komplett mumifiziert mit Thermo-Shirt, Fleece, Socken, Mücke und der Bettdecke über dem Gesicht geschlafen. Und trotzdem geschlottert. Das morgendliche „Sich aus dem wärmenden Kokon quälen“, war selten so schwer. Auch das Kapitel Kochen ist unter solchen Umständen ab und zu schwierig. Denn spätestens seit der Koch auf dem Rücksitz drei Zwiebeln geschnitten hat, und ich eine Stunde lang nicht wusste, ob ich heulend im Auto sitzen oder draussen im bei Eis, Regen und Sturm warten soll, sind jegliche Kochvorbereitungen im Auto verboten. Hoch lebe das Wildcamping!

Wie man unter diesen Witterungen draussen leben kann, habe ich mich auch beim Besuch einer historischen Ausstellung zu den Yámana und Selk’nam gefragt. Diese zwei Ureinwohner Stämme sind nämlich auf vielen Portraits nackig. Im Hochsommer haben wir hier Hagel und Schnee und die so: Füdliblutt im Winter. Schochli frisch, nöd?! Wir werweissen verschiedene Theorien. Es geht von „Körperwärme-Nutzung“ über „Sie posieren nur fürs Foto nackt“ bis hin zu „Sie mussten sich für die Europäer ausziehen“. Irgendwo lese ich dann, dass sie sich mit Wal- und Robbenfett einrieben und drum schön warm hatten. Yeah. Dann doch lieber weiterhin im Kokon ausharren oder: Halt einfach wieder nordwärts fahren, der Sonne entgegen! Jap, seb tönt doch guet.

Hain Zeremonie der Selk’nam: In Valparaiso (Chile) sticht mir dieses Mural der Selk’nam ins Auge. Für die Hain Zeremonie, ein Ritual zum „Erwachsenwerden“, verkleideten sich die jungen Männer teils monatelang als „Geister“.

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