Kulturelles Chrüsimüsi

Meine Lieblingsstadt auf Java ist ganz klar Yogyakarta. Nicht zu gross, nicht zu wild. Es gibt herzige Quartiere, wo man sogar zu Fuss einigermassen heil ans Ziel kommt. Für Gelächter sorgt ein Nachtmarkt der ganz besonderen Art. Auf einer grossen Wiese sitzt man beisammen, isst und trinkt. Rund um die Wiese führt eine Einbahnstrasse, auf der man in neonbeleuchteten Hello-Kitty-Mobilen im Ringelum fährt. Tretbetrieben. Aber es isch nöd nur für Chind! Jung und Alt händ es riese Chäferfäscht. Typisch für Indonesien, herrscht sogar dort Stau. Hupen haben die Gefährte zum Glück keine, mein Trommelfell dankt.

Doch nach Yogya kommt man an erster Stelle nicht der Stadt wegen, sondern aufgrund der umliegenden Tempelanlagen. Da gibts den Prambanan, den grössten Hindutempel in ganz Indonesien. Etwas weiter draussen im Dschungel thront der weltberühmte Borobudur, der grösste buddhistische Tempel überhaupt. Und ghört sogar zum UNESCO Weltkulturerbe! Nöd umesuscht. Die Details des Tempels sind wahnsinnig interessant, doch ein Guide ist bitternötig. Suscht luegt mer stundälang irgendwelchi Stei und Figurä ah. Und es wäre schlichtweg unmöglich, die ganzen Geschichten und Bedeutungen der Verzierungen und der Architektur zu verstehen. Glaubet mer, die händ sich so richtig öppis überleit, wos dä baut hend.

Gleich um die Ecke versteckt sich noch die ominöse Chicken-Church. Ä Chilä in Huehnform. Genaugenommen ist das Huhn aber eine (Friedens-)Taube. Auch die Kirche ist keine Kirche, sondern ein Gebetshaus mit Räumen für jede Religion. Von wegen „alle unter einem Dach“. Jeder scheint dieses Ding zu lieben – ich finds ehrlichgesagt recht hässlich und auch etwas doof. Die Tatsache, dass es eben doch wieder separate Räume für die Religionen gibt, zeigt doch, dass wir immer noch Grenzen ziehen. Es chönd offebar glich nöd all zäme i eim Ruum si. Mäh.

Mit dem Zug lässt sich die Insel ziemlich effizient durchqueren: Von Yogya via Bandung gehts weiter nach Jakarta. Ist tiptop organisiert und recht idyllisch. In Jakarta vertreten wir uns einen Tag lang die Füsse. Nach dem Motto „Nur churz echli go spaziere“ verlieren wir uns in der Megacity. Zehn Stunden und 40’000 Schritte später falle ich komatös in den Schlaf. So viel gseh! Da haben wir einmal ein traditionelles Wayang Puppenmuseum, ein protziges „National Monument“ und hübsche Bauten aus der holländischen Kolonialzeit. Plus eine Kirche, die aussieht wie das Notre Dame von Paris, aber direkt neben der grössten Moschee Indonesiens liegt. Mol, an kultureller Vielfalt fehlts hier nicht.

Insgesamt viereinhalb Monate war ich auf den verschiedenen Inseln unterwegs. Doch gesehen habe ich noch lange nicht alles. Ich werde garantiert zurückkehren und kann es kaum erwarten, mich Hals über Kopf in ein Gado Gado und leckeres Nasi Campur zu stürzen. Terima Kasih und Selamat Jalan! Bis ein anderesmal, Indo.

Ganz schön eindrücklich: Der Borobudur Tempel zeugt von einer buddhistischen Ära um 700 – 800 n.Chr. Nach einem Vulkanausbruch wurde der Tempel von Asche begraben und vom Dschungel überwuchert. Erst 1814, Jahrhunderte später, hat ein Brite den Tempel wiederentdeckt.

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