Mehr als nur ein bisschen Meer

In Pichilemu dreht sich (fast) alles ums kühle Nass. Zum einen ist Pichi das Surfkapital Chiles. An der Ecke „Punta de Lobos“, einer Landzunge mit berühmter Felsformation, brechen weltklasse Wellen. Eine grösser als die andere. Stundenlang kann man den Profis zuschauen, wie sie von den tunnelförmigen Wassermassen nahezu verschlungen und in letzter Sekunde wieder ausgespuckt werden. Dass der Vibe in Pichilemu sehr surfy ist, kann einem kaum entgehen. Doch auch sonst scheinen die Einwohner hier eng mit dem Ozean verbunden. Viele Familien sind seit Generationen im Fischfang tätig. Gefangen wird nicht nur Fisch, sondern auch Cochayuyo. Känneter? Die bis zu zehn Meter lange Algenart gilt als lokale Berühmtheit, so nennt man Pichi auch das Cochayuyo-Kapital. Kulinarisch beurteile ich das Gewächs als herausfordernd. Man kann sie essen, muss man aber nicht. Ich habs probiert und vor allem im Sushiröllchen als gut befunden. Als Salat riechts sehr fischig, ist mit der nötigen Menge Koriander und Zwiebeln aber doch yummie.

Aber zurück zur Punta de Lobos. Hier leben nämlich nebst eingefleischten Surfliebhabern auch Seelöwen und eine Vielzahl Kakteen. Das Landschaftsbild ist wahnsinnig idyllisch, die Sonnenuntergänge ebenfalls. Damit das so bleibt, setzt sich die Fundacion Punta de Lobos für den Schutz und Rekultivierung der Landzunge als Lebensraum für ihre Tier- und Pflanzenarten ein. Und spannenderweise geht es auch um den Schutz der „Wellen“. Klingt im ersten Moment etwas schräg, nöd!? Wellen schützen und so. Was soll das? An einem Outdoor Filmabend lerne ich Spannendes: Unter dem Sternenhimmel schauen wir eine Doku über die Küstengebiete in Peru, die vor der Privatisierung und vor wirtschaftlichen Interessen geschützt wurden. Nämlich hat Peru dazu das Ley de Rompientes eingeführt: Ein Gesetz zum Schutz der Wellen. Dieses wird nun auch in Chile angestrebt. Einerseits zugunsten der traditionellen Fischer, damit diese nach wie vor ihrem Lebensunterhalt nachkommen können. Andererseits für die Surfcommunity und ihr liebstes Hobby. Um wessen Vorteil es hier primär geht, sei dahingestellt. Doch dass man die Küstengebiete nicht ständig verbaut und die Natur einfach mal sein lässt, das ist unterm Strich die Hauptsache.

Auch sonst lebt man hier einen ziemlich nachhaltigen Lifestyle. So war Pichilemu offenbar das erste Dorf in Chile, das als Pilotprojekt jegliche Plastiksäcke verbannte. Und bis heute verbannt hat. Auch auffällig: Es gibt praktisch fast keinen Laden mit neuen Klamotten. Stattdessen gibts etwa sechs Secondhand-Läden mit richtig viel Auswahl. Super Sach! Mir gefällt dieses Leben definitiv. Es hat alles, was man so braucht, aber keinen Reizüberfluss. Viel Zeit im und am Wasser verbringen und abends beim Lagerfeuer den Klängen einer Gitarre zuhören, bis die Sonne aufgeht? Keis Wunder, bin ich schlussändlich sächs Wuche do hange blibe.

Abendunterhaltung: Jeden Abend sitzen Freunde und Familien auf den Felsen bei „der Punta“ und beobachten die Surfer im Wasser, während im Hintergrund die Sonne untergeht.

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