Schneidersitz, Mantras und andere Verrenkungen

Chiang Mai, die Stadt im Norden Thailands, ist die Hochburg der Yoga- und Meditationskurse schlechthin. Fast schon Indien 2.0. Das gönn ich mir. Nach wilden Monaten auf Achse ist so eine kleine Auszeit von der Auszeit ja nicht verwerflich, oder?! Scherz. Aber es bitzli mehr „Zen“ zu sein, das kann mir nicht schaden. Ungeduld ist (immer noch) mein zweiter Vorname. Fünf Minuten einfach nur zu sein und an nichts zu denken, davon bin ich weit entfernt.

Drum heissts jetzt: Sieben Tage Yoga und Meditation im idyllischen Hinterland Chiang Mais. Doch die Idylle trügt: Ein Gong weckt gnadenlos um 5.30 Uhr. Autsch. Morgens wie abends verrenke ich mich durch die zweistündigen Yogakurse. Auch autsch. Wir singen Mantras und meditieren im Schneidersitz, bis das Bein einschläft. Und noch viel länger. Zwischendurch gibts Workshops übers Öko-Leben oder Atemtechniken. Auch kulinarisch gehts in neue Sphären: Vegan à discretion! Generell ist der Alltag hier sehr naturnah: Die Toilette ist voll mit Fröschen und die Spinnen gesellen sich beim Duschen dazu. Aber gäll, Liebi für Alli. Nach den Grundsätzen der Permakultur dürfen zur Körperpflege oder als Moskitospray strikt nur Naturprodukte verwendet werden. Warum? Das Abwasser wird im Garten wiederverwendet. Alles ist ein in sich geschlossener, nachhaltiger Kreislauf. Soweit so gut.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind ein erfrischendes, bunt gemischtes Grüppli. Es sind so ziemlich alle Stereotypen vertreten: Die Mittvierzigerin in der Midlife-Crisis. Der etwas zu reiche, Single-Expat aus Singapur, der eines Morgens das spirituelle Universum für sich entdeckt hat. Die barfüssigen Langzeitreisenden sowie die noch immer dezent vom Büro gestressten Ferienurlauber. Den insgeheimen Männertraum von einer Unmenge enger Yogahösli muss ich aber enttäuschen: Es dominieren farbige Elefanten-Pluderhosen, Rastas und überdurchschnittlich viel Körperbehaarung bei Mann und Frau.

Fazit nach einer Woche? Sensationell. Kann ich jedem nur empfehlen. In Sachen „Zen“ läufts auch besser: Kann schon 20 Minuten meditieren, obwohl mir ein verirrter Käfer fast ins Ohr käfert. Tapfer halte ich dem Drang stand, das Ding wegzuscheuchen. Ziel ist nämlich, nicht immer jedem Impuls gleich nachzugeben. Achtsamer und bewusster zu handeln. Sonst falte ich mich schon besser zusammen, fühle mich gestärkt und ausgeglichen. Grösste Veränderung ist aber mein gewecktes Interesse für die eigentliche Yoga-Philosophie. Da könnte ich glatt einen separaten Artikel dazu schreiben. Machi aber nöd, kei Angst. Das Ganze schreit ja eh schon nach Oberklischee, gäll. Geht sie nach Asien und mutiert zum spirituellen Yoga-Büsi. Hät ja früehner oder spöter müesse passiere. Aber nein, ich zünde jetzt nicht den ganzen Tag Räucherstäbli an. Trage auch keine Elefantenhosen. Niemals! Und weil immer alle fragen: Jep, ich rasiere mir immer noch die Beine.

Diesen Marktstand witterst du schon von weitem: Die stachelige Durian riecht so intensiv nach Erbrochenem, dass sie ganz zurecht als Stinkfrucht bezeichnet wird. Es gibt sogar verschiedene Sorten: Die einen eignen sich für Profi-Esser, andere eher für Anfänger. Die Thais lieben sie auch als Glacé, ich nicht.

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