Sprachlos im Parque Patagonia

Kennt einer die „Ruta de los Parques de la Patagonia“? Das sind 17 Nationalparks von Puerto Montt bis nach Kap Hoorn. Wir lassen es uns nicht nehmen, unseren Roadtrip entlang dieser Parks zu gestalten. Zig Wanderrouten, Informationen zu Flora und Fauna sowie eine top Infrastruktur. Der zuletzt fertiggestellte Park heisst Parque Patagonia, unweit von Cochrane. Hier stehe ich gerade im Museum des Besucherzentrums und weiss nicht, wie mir geschieht.

Wahnsinnig modern und interaktiv schildert das Museum die Geschichte Patagoniens, wie hier einst Dinosaurier und indigene Völker lebten. Komplett aus den Socken haut mich aber der Teil zu „Die Welt heute“. Brandaktuelle Themen wie Konsumgesellschaft, Abfall, Klimawandel, Kapitalismus, die Explosion der Bevölkerungszahl und der Ressourcenverbrauch. Und die Folgen für den Planeten, die Natur. Ein Modul beeindruckt besonders: Vor mir leuchtet eine Wand mit der Artenvielfalt Patagoniens. Stirbt eine Art aus, erlöscht ihr Licht. Mit einem Hebel kann ich das Jahr regulieren. Ich schiebe den Hebel nach 2040 und, wenn wir so weiter machen, wie bis anhin, ist aufs Mal alles schwarz. Ich stehe im Dunkeln. Ein visuelles Erlebnis, das brutal unter die Haut geht. Draussen an der frische Luft hüpfen Guanacos und Nandus rum und frage mich: Wiä chömmer das i 20 Jahr no rettä?!

Wer genau steckt also hinter diesem Nationalpark mitsamt Museum? Nun, es war einmal ein Outdoor-Liebhaber, ein Umweltaktivist, ein amerikanischer Multimillionär. Er hiess Douglas Tompkins und kaufte im Süden Chiles riesige Flächen an Land. Gnaugnah über 4000km2. Klingt nach modernstem Kolonialismus der Superreichen, nöd? Er gründete einst North Face, verkaufte dann seine Anteile und rief mit seiner Ehefrau die Tompkins Conservation ins Leben. Gemeinsam mit Freiwilligen, Experten und der Lokalbevölkerung machten sie es sich zur Lebensaufgabe, das Land zu rekultivieren. Eimal en komplettä Reset bitte. Abr wieso isch das überhaupt nötig? Die Gauchokultur hat mit den Kühen und Pferden sehr viele Pflanzen abgegrast und Boden unfruchtbar gemacht. Und somit Lebensraum diverser Spezies eliminiert. Zudem gab es auch wenig Schutz vor wirtschaftlichen Interessen. Ziel ist nun: Keine Einzäunung, keine Eingriffe durch den Mensch, pure Rehabilitation. Gezielte Wanderwege und wenige Campingplätze gelten als „Opfergabe“ an die Menschen. Der Rest gehört den Tieren und den Pflanzen. Doch der Knaller dieser ganzen Story: Nach Fertigstellung von mittlerweile fünf Nationalparks schenkte die Tompkins Conservation diese der chilenischen Regierung. Gemeinsam mit der CONAF, der chilenisches Forstbehörde, wurde dann die die Ruta de los Parques eröffnet. Mit der Verpflichtung, dass die Parks weiterhin gepflegt und für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Und ihre Arbeit ist noch lange nicht getan. Ich verbleibe beeindruckt, sprachlos und inspiriert.

Die ersten Meter im Parque Patagonia: Mit unserem Haus auf Rädern tauchen wir ein in die Wildnis, wo ich gefühlt alle 100 Meter für ein Foto stoppen muss. Kein Wunder bei diesen Farben!

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