Sumbawa und mein Zivilstand

Nein, nicht Simbabwe. Überhaupt gar nix mit Afrika. Sum-ba-wa. Ich gebs ja zu, bis vor kurzem hätte ich auch nicht gewusst, wo ich auf der Landkarte suchen soll. Eine weitere Fähre bringt mich von Lombok nach Westsumbawa. Andere Insel, immer noch Indonesien. An Bord geniesse ich das „Rundum-sorglos-Paket“ für die alleinreisende Frau: Die Crew nimmt mir den Roller ab, parkt alles sauber und lädt mich in die Steuerzentrale ein. Händer e Klimaalag? Ja! Uhi, da bini debi.

Im Cockpit herrscht eine ganz eigene Arbeitsmoral: Uralte Infrastruktur, alle rauchen und gamen. Hoch die Hände, Wochenende? Von wegen. Das Motto lautet „Füsse hoch während der Arbeitszeit“. Der Kapitän sieht aus wie 15, ist aber 24. Typisch. Ab und zu lässt er einen Funkspruch fallen und steuert ein bisschen. Sonst wird gechillt. Und gfrögelet. Fragen über Fragen. Der Klassiker lässt nicht lange auf sich warten: „Bist du nicht verheiratet?!“ Zuerst sagte ich immer, dass ich einen Freund hätte. Bis ich schnallte, dass ein Freund genau gar nichts Wert ist. Sowas gibts hier nämlich nicht wirklich. Entweder man ist „single“ oder „(bald) verheiratet“. Später dann die Ernüchterung, dass selbst „verheiratet“ nicht allzu viel bringt. Denn: Es ist in Indonesien nicht selten, dass Männer mehrere Frauen haben. Wiä au immer.

Unterm Strich sind alle unglaublich neugierig. Doch nicht die aufdringliche, mühsame Art von Neugier. Sondern sone liebi, ehrlichi Art vo Gwundrig. Sprichst du Deutsch? Wie schaffst du es, so bleich zu bleiben, obwohl du immer in der Sonne bist?! Geht ihr monatelang nicht aus dem Haus, wenns Schnee hat? Mein Zivilstand ist schnell vergessen. Jeder zeigt mir Fotos von seiner Frau, dem Haus, dem Hund. Eineinhalb Stunden und 20 Babybilder später verabschiede ich mich mitsamt dem Schwertransport und düse südwärts Richtung Maluk.

Es geht ringgeli-ränggeli die Hügel hoch und wieder runter. Mal Dörfer, mal dichter Dschungel. Plus Ziegen, Affen und Echsen – die Tiersichtungsquote war selten so hoch. Überraschenderweise ist die komplette Strecke richtig schön geteert. Keine Ahnung warum ich eine löchrige Sandpiste erwartet habe? Anstelle von Bambushütten hats lauter hübsche Häuschen. Reisfelder dürfen natürlich auch nicht fehlen. In Maluk dann des Rätsels Lösung: Die riesige Gold- und Kupfermine Batu Hijau. Die Strassen sind so gut, damit die Lastwagen einwandfrei transportieren können. Aha, aha. Die Mine an sich ist selbstverständlich umstritten. Später surfe ich mit einem jungen Elektriker aus Borneo, der in der Mine arbeitet. Für ihn persönlich ist das eine riesen Chance. Er erzählt mir auch, dass die Westküste Sumbawas dank der Mine von deutlich höherem Durchschnittseinkommen profitiert und im Volksmund die Schweiz Indonesiens genannt wird. Umso grösser seine Freude, eine „richtige Schweizerin“ zu treffen. Aber zuerst noch kurz: „Warum bist du nicht verheiratet?!“

Fruchtbares Flachland: In Sumbawa liegen die Reisfelder in den Ebenen, die Hügel sind von dichtem Dschungel überwachsen. Trotz dem Bergbau ist die Mehrheit der Bewohner in der Landwirtschaft tätig. Angebaut werden nebst Reis auch viel Mais und Algen.

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