Tempelmarathon in Angkor

Weiter gehts nach Kambodscha. Ab Bangkok bringen mich eine sechsstündige, durchaus komfortable Zugfahrt (für einen Franken!) sowie eine kurze Etappe im Tuktuk-Lastwägeli zum Grenzübergang Poipet. Eimal us-checkä bitte. Zu Fuss gehts zum Check-In nach Kambodscha. Neben mir schieben Männer schubkarrenweise Material über die Grenze. Wiä im tüüfstä, wilde Weschtä. Das „Niemandsland“ ist grausam zwielichtig. Es dominieren auf den ersten Blick schäbige Casinos. Diese richten sich vor allem an Thailänder, denn in Thailand (sowie Kambodscha) ist das Spielen für die eigenen Landsleute verboten. Drum macht me das halt grad wenigi Meter ännet de Gränze. Auf den zweiten Blick scheint hier auch das Geschäft mit Drogen und Frauen zu florieren. Heftig. Schnäll wäg do.

Durch den strömenden Monsun finde ich meinen Weg nach Siem Reap. Die wuselige, überraschend angenehme Stadt profitiert von der unmittelbaren Nähe zu Angkor, meinem eigentlichen Ziel. Wieder einmal heissts: Tempel, Tempel und noch mehr Tempel. Einen ganzen Tag lang laufe ich durch die verschiedensten Sakralbauten. Stun-den-lang. Und ha trotzdem no lang nöd alles gseh. Wer genau hinschaut, findet überall immer wieder eine ganz individuelle Architektur mit gewissen Formen und Figürli. Darum enden solche Tage typischerweise damit, dass ich abends 659 Fotos von irgendwelchen Steinen auf der Kamera habe, die ich danach garantiert nie mehr anschauen werde. Klassikär.

Kambodscha war einst ein wahnsinnig florierendes Königreich. Das wird allerspätestens dann klar, wenn man den pompösen und riesigen Haupttempel Angkor Wat vor sich thronen hat. Die grösste Tempelanlage der Welt! Am auffälligsten sind die fünf Türme, welche fünf Lotusblüten darstellen. Besonders hübsch dekoriert sind jedoch die Wände. Zweitausend tanzende Frauen, die Apsaras, zieren kilometerlang die Gänge. Jede bewegt sich ein bisschen anders und ist von aufwändigen Schnörkeln umgeben. Wie viel Handarbeit, Schweiss und Blut hier geleistet und geopfert wurde, das chani mir überhaupt gar nöd vorstellä. Unglaublich! Lustiges Detail: Der Tempel war ursprünglich ein Hindutempel. Mit dem Buddhismus, der später nach Kambodscha überschwappte, wurde er dann aber pragmatisch umfunktioniert. Ischer sponti zum Buddhismus konvertiert. Das nenn ich mal flexibel!

Mein Lieblingstempel ist aber ganz klar der kleinere Ta Prohm. Ein von Moos und dicken Wurzeln überwachsener Dschungeltempel. Die Anlage ist so mystisch, als hätte man sie erst grad wiederentdeckt. Doch der Schein trügt: Bereits Angelina Jolie rannte in Lara Croft: Tomb Raider durch die engen, dunkeln Gängli. Das erklärt wohl die überdurchschnittliche hohe Männerquote unter den Besuchern. Welchen Stein sie wohl angefasst hat? Spass. Ich für meinen Teil habe jetzt aber für ein paar Monate genug von Tempeln. Oder ein paar Tage? Ach, mal luegä. Einer geht noch, oder so.

Detailverliebt: Unzählige aufwändige Verzierungen schmücken die riesige Tempelanlage Angkor Wat. Kein Wunder, dass der Bau wahrscheinlich über 30 Jahre gedauert hat.

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