Chachapoyas alias Machu Picchu 2.0

Ja, ich war in Peru. Nein, Machu Picchu habe ich nicht gesehen. Auch das ein Thema, dass ich schon manchem erklären musste. Ja, natürlich hätte ich nach Cusco gehen können. Mit Sicherheit ist der Ort super eindrücklich, die Vielfalt an verschiedensten Sehenswürdigkeiten nahezu einmalig und das Aufeinanderprallen von Natur und Kultur atemberaubend. Ich war jedoch nicht mehr in der Stimmung, für irgendwelche Highlights. Zudem war jeder, aber wirklich ausnahmslos jeder beim Machu Picchu und ich habe so viele Bilder davon gesehen, dass ich mittlerweile glaube, selbst dort gewesen zu sein.

Nach eineinhalb Jahren unterwegs, sehnte ich mich stattdessen nur nach Routine. Nach einem eigenen Zimmer ohne schnarchende Nachbarn. Ich sehnt mich nach dem Auspacken des Rucksacks, in der Hoffnung, das verlegte Ladekabel oder die ein oder andere Speicherkarte in den verstaubten Ecken des 40L-Geschöpfts wiederzufinden. Fernab von Highlights und Sehenswürdigkeiten. Zum Glück fand ich diese Routine – mitsamt einem eigenen Zimmer und Schrank – in Huanchaco. Und nach knapp drei Monaten war ich dann wieder ready, um etwas Sightseeing zu betreiben. Was hämmer denn da so ide Nöchi? Usser Wüeschti und Meer? Einstimmig meinen alle Locals in Huanchaco: “Ihr müend nach Chachapoyas!”

Das Dorf liegt in den Anden, am Rande des Amazonas, im “Cloudforest” (Wolken-/Nebelwald, nicht Regenwald!). Es ist hier nicht tropisch feucht-heiss, wie im Amazonas. Trotzdem ist’s tropischer, als in anderen, sehr trockenen Andenregionen. Der Begriff Cloudforest erklärt also einiges. Viel grün, viele Wolken und regelmässige Niederschläge. 

Mit dem Nachtbus brechen meine Mitbewohnerin Giulia und ich auf – eine kurvenreiche, wackelige Fahrt mit viel Übelkeitspotential. Doch 13 Stunden später erreichen wir das kleine Dörfchen. Ein hübsch herausgepützelter Dorfkern, eine geschäftige Flanierstrasse mit zahlreichen Künstlern und Verkäufern von handgefertigtem Schnickschnack. Touristen zieht’s schon an, aber primär peruanische. Nur eine handvoll Gringas und Gringos hier. Was es zu sehen gibt? 

Einerseits die Kuelap Festung, das Highlight der Region. Unter Insidern gar das Machu Picchu des Nordens, das “noch unberührte Machu Picchu”, etc. bladibla. Kurz zusammengefasst: Die Chachapoyas, die dem Ort seinen Namen verleihen, waren ein Volk, wie die Inka eines waren. Sie lebten hier und haben um ca. 400 n.Chr. mit dem Bau der Kuelap Festung begonnen. Hoch auf einem Berg und mit wahnsinniger Aussicht über die umliegenden Täler thront die Anlage. Jap, das ist allemals einen Besuch wert. Das dachten sich wohl auch die peruanischen Tourismus-Verantwortlichen, die haben hier nämlich eine topmoderne Luftseilbahn hingestellt, damit die Besucher nicht mehr hochwandern müssen. Aha aha. Schade eigentlich, nöd? 

Nun, nebst der Kuelap-Festung gibts in der Region auch noch zahlreiche superschöne Wanderungen, unter anderem zu einem über 770m (!!) hohen Wasserfall. Und ganz, ganz viele andere Trails zu Schätzen aus vergangenen Zeiten. 

Was mir jedoch am besten gefiel? Die umliegenden Dörfer sind komplett abgeschottet vom Tourismus. Die Menschen leben hier ganz anders, als in Huanchaco oder Lima, als in Arequipa oder in “touristisch erschlosseneren” Gebieten. Mini-Busse oder Vans sind teilweise nicht verfügbar, so setzen wir uns in ein normales Auto-Taxi, gemeinsam mit drei anderen Personen und 3 Kindern. Plus noch der Fahrer. Zu neunt im Auto kurven wir durch die engen Strassen und werden irgendwo abgeladen, um die wunderschöne Natur zu erwandern. 

Jawohl, nach der dreimonatigen Pause habe ich dieses Sightseeing wieder so richtig genossen. 

Alltag in den Anden
Alltag in den Anden
Alltag in den Anden
Gocta Wasserfall
Gocta Wasserfall
Kuelap
Kuelap
Chachapoyas

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