Was geschah am 12. Dezember 2020?!

Samstag, 12. Dezember, 03.50 Uhr. Nicht der Weltuntergang, sondern mein Wecker reisst mich aus dem Schlaf und die Notiz am Screen befiehlt mir „Kontrollanruf Marisa!“. Ich schäle mich aus dem Bett, rufe an und stehe 25 Minuten später mit meinen letzten Gepäckstücken bewaffnet auf der Strasse. Bye bye, liebe Seestrassen-WG. Es war mir eine Freude, ich werde euch noch verdammt lange vermissen. Nach einem turbulenten Jahr kommt hier ein Abschiedsgruss. Und zwar nicht von dieser Plattform, diesem Sammelsurium an Reiseberichten. Es ist ein Abschiedsgruss von mir an alle, denen ich nicht persönlich „Tschüss“ sagen konnte.

Nun, zurück zum Samstagmorgen. 05.00 Uhr Check-In. Der Spiessrutenlauf begann: Geschwitzt wird beim Schieben und Schleppen von insgesamt sieben Gepäckstücken sowie beim Anstehen in der Check-In Schlange: eine der Check-In Frauen wiegt jedes Handgepäck und ich weiss tief in mir drin, dass beide meine Rucksäcke schwer übergewichtig sind. Gut, liess die Glückssträhne nicht auf sich warten: Mein Check-In Boy ist jung, freundlich und lässt sich bestens von einer charmanten, leicht verzweifelten aber hervorragend vorbereiteten Reisenden bezirzen. „Darf ich Ihnen meinen Ordner mit 723 Dokumenten erklären, damit Sie mich in den Flieger lassen?“ „Klar doch, nüt lieber!“ Nicht ganz, aber fast so lief das ab. Kanada ist nämlich nach wie vor eines der Länder mit sehr strengen Einreisebestimmungen und reiner Tourismus ist absolut undenkbar.

In Amsterdam folgt das grosse Umsteigen, ein COVID-überhaupt-gar-nicht-konformes Anstehen bei der Drittstaaten-Passkontrolle und ein weiterer junger, gut gelaunter Kontroll-Heini, der beim Anblick meines Dokumente-Folders gleich weiche Knie bekommt und mich im Eiltempo durch die Grenzkontrolle schubst. Dann kurz die Temperatur-Pistole an die Stirn gehalten und bald geht’s in den nächsten Flieger nach Calgary. Ein drittes Mal muss ich beim Boarding alle Unterlagen vorlegen und werde erneut nach einem Heiratszertifikat gefragt. Gut, kann ich meine Erklär-Leier bereits im Schlaf rauf und runter erzählen. Im Flugzeug drin dann die grosse Krise: Fast alle Sitze sind besetzt. Oh mann, oh mann, so viel zum Thema „Selbstisolation“ vor der Abreise. Alle Mühe verspiele ich jetzt wohl in den nächsten 9 Stunden, während ich hier eingepfercht in der COVID-Hölle schmore.

Doch der Optimismus überwiegt und ich tippe Kyle die magischen Worte: „I confirm: I am IN THE PLANE TO CANADA!!!“ Oft habe ich gezweifelt, dass alles klappen wird. Es erschien zu perfekt, nachdem im 2020 so vieles gegen uns gespielt hat und wir auf manches verzichten mussten.

13 Uhr Ortszeit Calgary steige ich aus dem Flugzeug, starte den nächsten Hürdenlauf: „ArriveCAN App Check“, Deklaration, Immigration, Dokumentekontrolle zum Vierten und dann Gepäck abholen. Mit etwas Gepäck-Tetris den Trolley beladen, denn jetzt muss ich die 7 Stücke allein raus transportieren. Officer Nr. 5 gesellt sich zu mir, will überall reinschauen, stellt 302 Fragen: Wie, wieso, weshalb und überhaupt hat man so viel Zeugs dabei!? Erklär-Leier-Modus on replay. Dann sein Hinweis „Da vorn musst du aber langsam um die Kurve mit deinem Schwertransport…!“

In der Tat war das Schieben meines Schwertransports deutlich umständlicher als erwartet. Im Steilhang der Rampe fällt mein Surfboard runter, dann bleibe ich bei den Deklarations-Jungs in der Schiebetür stecken. Das Ding geht fröhlich weiter auf und zu, während ich hin und her navigiere und hoch und runter belade. Dann, vor den Augen zahlreicher Reisenden, bleibe ich zigfach in den „Ansteh-Guiding-Pfosten“ und diesen Sicherheits-Gurt-Bändern hängen, bis irgendwann eine Dame Mitleid hat und alle Schranken für mich öffnet. Nass geschwitzt (da Winterjacke und Schal) erreichen meine 100kg Material und ich das COVID-Test Provisorium. Calgary lancierte nämlich ein Schnelltest-Pilot-Projekt für auserwählte Flüge, mit dem man die Quarantäne bei negativem Resultat auf zwei Tage kürzen darf. Kurze bricht innerlich Panik aus: Was, wenn die Dr.’s denken, ich sei fiebrig, weil ich mit hochrotem Kopf eintrudle?! Doch Fehlalarm. Hab zackig das Stäbli in den Hals gesteckt bekommen und beim Rausnavigieren mit meinem Trolley noch fast den ganzen Vorhang des Provisoriums abgeräumt. Läuft.bei.mir!

Dann endlich das grosse Wiedersehen, a christmas mircale, wie es im Bilderbuch steht 😉 Mittlerweile habe ich das negative Testresultat erhalten, bin morgen zum ersten Mal auf kanadischen Skipisten unterwegs und werde ab jetzt wieder fleissiger mit Blogbeiträgen berichten.

merry xmas, Corina

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