Juan de Fuca. No reg-rats!

Zu sechst während vier Tagen und drei Nächten der kanadischen Westküste entlang wandern. Vorbei an sagenhaften Klippen, über Stock und Stein, ganz ohne Handyempfang, dafür mit dem gesamten Vorrat an Lebens- und Überlebensmitteln.

Geplant haben wir diesen Wandertrip bereits Anfang 2021 und trotzdem wussten wir bis zur letzten Sekunde nicht, ob alles klappen wird. Zuerst COVID-Lockdowns, dann die Hitzewelle und daraus resultierende Gefahr der Waldbrände und ganz nebenbei habe ich am 1. Mai noch mein Schlüsselbein gebrochen. Gut, galt dieses pünktlich auf den 12. Juli als „endlich geheilt“, sodass wir unser Wanderabenteuer wie geplant fünf Tage später starten konnten.

Dass ich das „über Stock und Stein“-Klettern sowie das Schleppen und Heben meines relativ schweren Rucksacks im Vorfeld nicht üben konnte, war klar. Trotzdem hätten wir das Packen nicht auf den letzten Abend schieben sollen, aber hey, no risk, no fun. Etwas gestresst stellten wir fest, dass mein Rucksack Nr. 1 zu klein ist und der Hüftgurt meines Rucksack Nr. 2 – mein Splitboard / Touring Rucksack – im Sommer ohne Winterklamotten viel zu locker sitzt. Grundlage für eine erfolgreiche Wanderung war also: Stets ein dickes Fleece um die Hüften binden und den Rucksack darüber tragen, damit das Gewicht vom Rucksack nicht auf meiner Schulter und meinem Schlüsselbein hängt. Yeih! Tipp für’s nächste Mal: Den Rucksack frühzeitig Test-packen.

K. und ich hatten schlussendlich mit Abstand die leichtesten Rucksäcke in unserer Gruppe. Wieso? Frau hat gepackt. Minimalistisch, oder eher verantwortungslos? Die Wettervorhersage sagte 99% Sonne, also haben wir glatt die Regensachen zuhause gelassen. Ziemlich riskant, da die kanadische Westküste extrem regenreich ist. Ganz ehrlich? Das war ein etwas unfreiwilliger Entscheid, da wir schlichtweg nicht mehr Platz hatten. K. trug die voluminösen Gegenstände wie Mätteli, Zelt & Schlafsäcke während ich alle Lebensmittel, Kochutensilien (und was man halt sonst noch so braucht) schleppte. Mein Rucksack war zwar in der Tat übertrieben klein, aber genau gleich schwer, wie jener von K.

Eine Wald-Wanderung

Ab Squamish, via Vancouver, brachte uns die Tsawwassen-Fähre (land facing the sea) nach Victoria auf Vancouver Island. In der „Rentner“-Stadt verbringen wir einen Tag beim Sightseeing, bevor wir am nächsten Morgen nach China Beach aufbrechen. Dort parken wir unsere Autos am Ende des Trails und ein Shuttlebus bringt uns zum Trailhead in Port Renfrew.

Hochmotiviert gings los. Tag 1: 17 Kilometer von Port Renfrew nach Little Kuitshe Beach. Siebzehn Kilometer, normalerweise eine gute Tageswanderung, bei der niemand von uns mit den Wimpern zuckt. Ebenso gingen wir davon aus, dass es sich hier ja nicht um eine Berg-Wanderung sondern eher eine „Wald-Wanderung“ handle. Führt ja alles der Küste entlang, entsprechend praktisch keine Höhenmeter, oder?! Ich war sogar kurzzeitig überzeugt, dass ich den Trip gleich in Trail Running Schuhen mache, damit ich nicht unnötig voluminöse Wanderschuhe tragen muss. HOLY.SHIT.

Wir lernten schnell, dass 17km nicht gleich 17km sind. Wenn du dich bei jedem einzelnen Schritt konzentrieren musst, kommst du schlichtweg nicht vom Fleck. Knietiefer Schlamm, rutschiges Holz, versteckte Schrauben, Baumstämme, die links und rechts in den Trail wachsen, und allerlei Hindernisse wie Wurzelpassagen, Felsen, loser Sand oder nasse Steine. Der Trail fühlte sicher eher an, wie ein Hindernislauf oder ein Fishermen’s Race, als eine Wald-Wanderung. Am ersten Abend, als wir nach etwas 8 Stunden waldwandern total erledigt am Boden lagen und die Karte studierten, realisierten wir: Tag 1 galt als „moderat“, Tag 2 wird „hart“ und Tag 3 wird „super hart“. HAHA…fu*k.

Während vier Tagen ging es echt keine Minute gerade aus. Auf allen vieren kletterten wir steil runter zur nächsten Bach-Überquerung und auf der anderen Seite gleich wieder steil hoch auf den nächsten Hügel. Gegen Ende jedes Tages wurde nur noch überlebt und ab und zu fragte einer: „Sieht jemand den nächsten Kilometer-Marker?“

Essen & Trinken beim Backpacken

Ernährt haben wir uns die Tage fast ausschliesslich von „Backpacker’s Pantry“, dehydriertem Wander-Essen. Das kannst hier in jedem Outdoor Shop kaufen, eine Packung füllt meist zwei Personen. Und das Zeug ist RICHTIG lecker. Somit gab’s vier Tage lang Frühstück, Dinner und Dessert aus der Packung und für die Lunches hatten wir nur Cliffbars, Nüsse und getrocknete Mango. Die Fleischesser waren etwas besser vorbereitet, hatten Thunfisch-Dösli dabei und Wraps. Ahhh, Salz! Der Neid war gross, needless to say, dass weder K. noch ich seither einen Cliffbar gegessen haben. Chani nümme gseh.

Getrunken wurde Wasser, aufgefüllt an den Quellen, gereinigt mit kleinen Cleaning-Tabs oder mit dem life straw!

Wildlife – fu*king run

In Sachen Tierwelt gab es drei „Situationen“.

Nr. 1 – An Tag 2 hörten wir im Wald ein Fauchen, das uns während ein paar Minuten verfolgte. Lynx / Bobcats gibts dort eigentlich nicht, ist es also ein Cougar (Puma)? Oh boy, we’re dead, we’re dead. Kurz bricht Panik aus.

Zitat J.: „Fu*king RUN!“, während sie uns zur Seite schubst. Da sieht man, wer in Stresssituationen sein wahres Gesicht zeigt. Scherz 😉 Wir ziehen sie bis heute daran auf, aber wichtig ist hinzuzufügen: „a running human, is a dead human„.

Incident Nr 2. – Ich wache mitten in der Nacht auf und höre ein Tier, das an unserem Zelt rumwuselt. K. ist unaufweckbar, also bin ich meiner Panik allein ausgeliefert. Ich höre erneut ein Fauchen, aber viel zu „kleine Schritte“, schliesse somit einen Bären und den Cougar aus. Am Morgen glaubt jeder, ich sei vom Wald-Cougar-Vorfall traumatisiert und habe mir das eingebildet. Doch die Beweise sind da: Rund ums Zelt und am Strand entlang finden wir sie, die herzigen Fussspuren der frechen Waschbären!

Nr 3. – Ebenfalls mein Vergnügen. Der letzte Morgen am Bear Beach (Bären Strand, aber keinen Bären getroffen) und ich möchte mich beim morgendlichen Geschäft gleich auch in der Camping-Toilette umziehen gehen. Halb nackig stehe ich also im Häuschen, hebe den Deckel hoch und sehe unter mir, auf dem wortwörtlichen „riesigen Haufen Scheisse“ eine MONSTER-Ratte, die mir direkt ins Gesicht starrt. Ich lasse einen Schrei ab und knalle den Toilettendeckel wieder zu. Panisch ziehe ich mich wieder an und höre draussen nur Gelächter. Merci dänn! Einer der Jungs meint: „Oh, sie hat wohl die Ratte gesehen…“ Er habe das gute Stück bereits gestern Abend angetroffen, doch absichtlich nix gesagt, damit „die Damen weiterhin aufs Klo können„. Klar, hat nachher keine(r) mehr Fuss ins Klo-Häuschen gesetzt.

Views for days

Und nun das Wichtigste: Der Juan de Fuca Trail ist absolut WUNDERSCHÖN. Während zwei von drei Nächten haben wir das Zelt im Sand am Strand ausgebaut und direkt am Meer geschlafen. Morgens weckt dich das Rauschen und der Himmel leuchtet pink und orange. Das Meer glänzt tagsüber türkis blau, der Wald ist satt und grün, alles blüht. In der Ferne, auf der anderen Seite der Salish Sea, erkennt man den US-Staat Washington mit den schneebedeckten Bergen um Seattle im Hintergrund. Jeden Abend besuchten uns Seehunde, die immer näher kamen und neugierig ihre Köpfe rausstreckten.

Riesen Empfehlung, hier ein paar Bilder.

VICTORIA, BC
Exploring Victoria

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: